03-2019: Emmy Hennings (1885-1948): Tänzerin

Dir ist als ob ich schon gezeichnet wäre 
Und auf der Totenliste stünde. 
Es hält mich ab von mancher Sünde. 
Wie langsam ich am Leben zehre!

Und ängstlich sind oft meine Schritte, 
Mein Herz hat einen kranken Schlag 
Und schwächer wird’s mit jedem Tag. 
Ein Todesengel steht in meines Zimmers Mitte.

Doch tanz ich bis zur Atemnot. 
Bald werde ich im Grabe liegen 
Und niemand wird sich an mich schmiegen. 
Ach, küssen will ich bis zum Tod.


04-2019: Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): Firnelicht

Wie pocht‘ das Herz mir in der Brust

Trotz meiner jungen Wanderlust,

Wann, heimgewendet, ich erschaut

Die Schneegebirge, süss umblaut,

Das grosse stille Leuchten!


Ich atmet eilig, wie auf Raub,

Der Märkte Dunst, der Städte Staub.

Ich sah den Kampf. Was sagest du,

Mein reines Firnelicht, dazu,

Du grosses stilles Leuchten?


Nie prahlt ich mit der Heimat noch

Und liebe sie von Herzen doch!

In meinem Wesen und Gedicht

Allüberall ist Firnelicht,

Das grosse stille Leuchten.


Was kann ich für die Heimat tun,

Bevor ich geh im Grabe ruhn?

Was geb ich, das dem Tod entflieht?

Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Lied,

Ein kleines stilles Leuchten!

Über kianharaldkarimi

TAGEBUCH EINES PRIVATDOZENTEN IN DEUTSCHLAND Ein Versuch, mir meine Trauer, Resignation und Wut von der Seele zu schreiben, um nicht daran zu zerbrechen. ACHTEN SIE BITTE AUCH AUF MEINE HOMEPAGE! kianharaldkarimi.de
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