05-2019 Strophen. (Michail Lermontov, Üb. Rainer Maria Rilke)

Einsam tret ich auf den Weg, den leeren,

Der durch Nebel leise schimmernd bricht;

Seh die Leere still mit Gott verkehren

Und wie jeder Stern mit Sternen spricht.

Feierliches Wunder: hingeruhte

Erde in der Himmel Herrlichkeit…

Ach, warum ist mir so schwer zumute?

Was erwart ich denn? Was tut mir leid?

Nichts hab ich vom Leben zu verlangen

Und Vergangenes bereu ich nicht:

Freiheit soll und Friede mich umfangen

Im Vergessen, das der Schlaf verspricht.

Aber nicht der kalte Schlaf im Grabe.

Schlafen möcht ich so jahrhundertlang,

Dass ich alle Kräfte in mir habe

Und in ruhiger Brust des Atems Gang.

Dass mir Tag und Nacht die süße, kühne

Stimme sänge, die aus Liebe steigt,

Und ich wüsste, wie die immergrüne

Eiche flüstert, düster hergeneigt.

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit ,

04-2019: État d’esprit ‘19 – Betrachtungen eines politischen Menschen zur Situation unserer Zeit

1. Grenzen der Zeit

Es wird immer wieder gesagt, dass wir in einer von Krisen und Kriegen geschüttelten Zeit leben. Häufig ist noch zu hören, dass ausgerechnet jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden, vielleicht könnte man hinzufügen, dass unsere Gegenwart noch lange in der Zukunft fortwirken wird, wie ein leuchtender Stern, der als Planet längst verglommen ist. Ich habe es aber immer für problematisch gehalten, einer womöglich unabgeschlossenen Epoche eine dominante Signatur zuzuschreiben und diese dann auch noch in einen wohlklingenden Namen zu kleiden. Erst recht gilt dies wohl für eine Zeit, die die unsrige ist. Denn wann endet sie? Ginge sie mit unserem Tod zu Ende, so könnten die Nachgeborenen den Anfang einer neuen Zeit wohl kaum noch ansetzen, weil letztlich mit dem Ableben eines Menschen immer auch eine komplette Welt untergeht.

Doch ohne Frage gibt es Epochenbrüche, die so offensichtlich sind wie jener, der sich mit der Kanonade von Valmy am 20. September 1794 geräuschvoll vom alten Europa verabschiedete. Der Geheime Rat Goethe, der bei der Schlacht zwischen dem revolutionären Frankreich und Preußen als Begleiter seines Herzogs zugegen war, belegte dies mit dem einprägsamen Satz, dass von hier und heute eine neue Epoche der Weltgeschichte ausgehe, und die Augenzeugen sagen könnten, sie seien dabei gewesen. Auch der Sturm auf Winterpalais im Oktober 1917 oder der Fall der Berliner Mauer im November 1989 markierten ähnliche Brüche, und das Leben der meisten Menschen ging weiter. Es war vorher gestorben worden, derweil neue Erdenbürger das Licht der Welt erblickten. Und das Leben anderer sollte mit dem Finale des Kalten Krieges zu seinem Ende kommen, während es auch anderen Menschen gegeben wurde weiterzuleben, obschon es ihnen womöglich immer noch schwerfallen sollte, sich Berlin, Deutschland und Europa nun ungeteilt vorstellen zu können.

 

2. Zur Bedeutung individueller Lebensgestaltung

2.1 Der Individualismus als Lebensgefühl unserer Zeit

Zu den Signaturen, die unsere Zeit bestimmen, gehört aus meiner Sicht ein individualistisches Lebensgefühl, das keineswegs neuartig ist und deshalb umso mehr als besonderes Kennzeichen gerade unserer Gegenwart umstritten sein dürfte. Doch ein Vergleich mit den späten 1960er und 1970er Jahren macht sogleich klar, dass der Individualismus seinerzeit zumeist anders in der öffentlichen Meinung empfunden wurde als dies heute der Fall ist. Sicherlich fühlten sich konservative Geister schon immer von den Grenzüberschreitungen ihrer Mitmenschen gestört. Der aufkommende Feminismus, die gerade entstehende Schwulenbewegung, vor allem die Widersetzlichkeit und Aufsässigkeit junger Leute, die in Wohngemeinschaften zusammenlebten und sich gar noch revolutionär gebärdeten, wurden vielfach als Provokation empfunden und nicht zuletzt auch einem anarchischen individualistischen Treiben zugeschrieben. Und dennoch galt Individualismus, von linksradikaler Phraseologie oder reaktionärer Gebärde abgesehen, zumeist als etwas Emanzipatorisches und daher auch als gesellschaftliche Notwendigkeit. Die westlichen Gesellschaften begannen sich so rasch zu ändern, weil sich viele Menschen in Familie, Freundeskreisen, aber auch in staatlichen und wirtschaftlichen Zusammenhängen aus einer ihnen spürbar gewordenen Lebensenge befreiten. Die christlichen Kirchen taten sich freilich schwer damit, weil sie im Prinzip einer Gemeinde dachten, in dem sich der einzelne nach einer Hirtenmoral unterzuordnen und anzupassen hatten.

Noch in dieser Zeit begannen sich aber Intellektuelle wie Pier Paolo Pasolini (Freibeuterschriften. Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft. Berlin: Wagenbach, 1981) zu fragen, ob lange Haare noch ein Zeichen von Emanzipation oder nicht doch eher ein modischer Trend seien, dem jedermann stehe. Er entdeckte das Universum des bäuerlichen Lebens und damit jene Solidarität, die dem Trotz gegen eine widrige Natur und eine nicht minder feindliche Regierung entsprang. Der Individualismus wurde aus seiner Sicht zu einer modischen Zeiterscheinung, der man sich zu beugen hatte, wollte man nicht als unmodern oder reaktionär gelten. Und gerade heute gewinnt sein Urteil an Aktualität.

2.2 Ein zunehmend toxischer Individualismus

Denn jener Individualismus, mit dem wir auf Schritt und Tritt Bekanntschaft machen müssen, hat mitunter grausame und hedonistischen Züge erhalten, voll von Selbstbezug und masslosem Egoismus. In unerträglichen, ideologisch überfrachteten Diskussionen schleicht sich immer wieder jene sprichwörtliche Unduldsamkeit ein, die ausschliesslich die eigene Sprache versteht, um die der anderen mehr bewusst als unbewusst misszuverstehen. Ob im Strassenverkehr, wo neue elektrische Roller, gerade hier in Berlin-Mitte, Bürgersteige bevölkern und dabei Passanten geflissentlich übersehen, ob am Arbeitsplatz oder in schulischen Einrichtungen, wo Mobbing inzwischen zum Alltag gehört, überall geht es darum, dem anderen sein Gesicht als ein möglichst hasserfülltes und womöglich gewalttätiges zu zeigen, so als könne die eigene Individualität nur dann ihre Wirkung hinterlassen, wenn sie als ausschließlich aggressiver Gestus wahrgenommen wird.

In der Politik sind nicht nur die sogenannten Volksparteien in eine Krise getreten; auch ein System des Ausgleichs und des Kompromisses droht uns abhanden zu kommen und der Unnachgiebigkeit neuer Akteure Platz zu machen. Dieses Land der Mitte war, historisch gesehen, schon immer ein fruchtbarer Boden für diese polemische Saat und könnte es im Namen von Prinzipienreiterei und Unduldsamkeit erneut werden. Und sicher ist diese verhängnisvolle Entwicklung, wie wir sie mit der Präsidentschaft Donald Trumps heraufziehen sahen (vgl. 2018-03), auch jenem unterschiedslosen Geplapper liberaler Eliten und Amtsträger zuzuschreiben, die ihren Diskurs einzig und allein nach den Opportunitäten des Alltags ausrichteten und dabei die vom Niedergang bedrohten Mittelschichten vernachlässigten.

3. Die bürgerlichen Mittelklassen als Träger des Individualismus

3.1 Die Zerstörung und Selbstzerstörung der bürgerlichen Mittelklassen

Es wäre trivial, diese Zeit wiederum in die Nähe der frühen 1930er Jahre zu rücken. Aber in einem Punkt erscheint dies zumindest angemessen. Wie vor den Hitlerjahren handelt es sich heute wiederum um eine bürgerliche Mittelklasse, die mit wachsenden Sorgen in einen wirtschaftlichen Abgrund blickt. Denn gerade sie ist es heute wie damals, die ihre angeblich so ehernen Prinzipien zugunsten kurzfristiger Vorteile in die Gosse wirft, indem sie diese aber fortwährend als blosse Formeln an ihre Kinder und Kindeskinder weitergibt. In seiner Autobiografie Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend. (Hamburg: Rowohlt 2006, S. 343-344) beschreibt Joachim Fest diese Zeit so:

Zu viele gesellschaftlichen Mächte hatten an der Zerstörung dieser [bürgerlichen] Welt mitgewirkt, die politische Rechte ebenso wie die Linke, die Kunst, die Literatur, die Jugendbewegung und andere. Hitler hat im Grunde nur weggeräumt, was an Resten noch herumgestanden hatte. Er war ein Revolutionär. Aber indem er sich ein bürgerliches Aussehen zu geben verstand, hat er die hohlen Fassaden des Bürgertums mit Hilfe der Bürger selbst zugrunde gerichtet: Das Verlangen, ihm ein Ende zu machen, war übermächtig. […] Im Innern war diese Schicht lange morsch; insofern bin ich nach den Grundsätzen einer abgelebten Ordnung erzogen worden. Sie hat mir ihre Regeln und ihre Traditionen bis hin zu ihrem Gedichtekanon vermacht. Das hat mich etwas von der Zeit entfernt; zugleich hat diese Ordnung mir ein Stück festen Grundes verschafft, der mir in den folgenden Jahren manchen Halt vermittelte.

Unwiderruflich vorbei ist zwar die Hitlerei, nicht jedoch, was in den 1920er und 1930er Jahren zu ihr führte, aber sicherlich heute eine andere Barbarei hervorbringen mag, die mit der Zeit auch eine weitaus internationale Dimension annehmen wird. Das Problem, mit dem wir damals wie heute konfrontiert sind, besteht im ambivalenten Status der bürgerlichen Mittelklassen. Diese sind seit ihrer Entstehung stets von hybrider Natur, d. h. sie rekrutierten sich bereits im 19. Jahrhundert, im Zeitalter des Bürgers, aus verschiedenen Schichten, aus Adel und Bauerntum, um dann in den Städten zu einer eigenen, aber auf sozialer Ebene immer durchlässigen Kategorie zu werden. Die Comédie Humaine Honoré de Balzacs, aber auch der englische Gesellschaftsroman bieten hinreichende Belege für diese Annahme.

3.2 Das Bürgertum als hybride Klasse

Heute gilt dies auch für Einwanderer aus entfernten Regionen der Welt, denen die deutsche Sprache und Kultur bis dato noch unbekannt sind. Ihren besten Zugang zu unserer Gesellschaft finden sie über die Mittelschichten, wenn sie selbst als Händler, Intellektuelle, Lehrer und Träger freier Berufe (Ärzte, Rechtsanwälte) die Mitte der Gesellschaft erreichen. Denn bürgerlich zu sein, bedeutet auch, sich im eigenen Selbstverständnis und im sozialen Leben als Individuum zu inszenieren. Zugleich haben die Mittelschichten aber auch jene von Fest beschriebenen Traditionen entwickelt, die zumindest im nördlichen Deutschland aus preussisch-protestantischen Beständen herrühren und zuweilen auch gern im Gleichschritt marschierten.

In diesem Sinn war das Bürgertum, vor allem in seinen freien Berufen, in seinen Akademikern, in seinem Werte- und Gedichtekanon sowie seinen Bildungsinstitutionen auch eine Art Korporation. Diese kollektive Zuschreibung rivalisierte demnach mit einer individualistischen Lebenshaltung, die im Zuge von Moderne und Postmoderne zusehends an Boden gewann. Denn jener Prozess, den Marx bereits auf dem Höhepunkt der bürgerlichen Revolution erkannt haben will („Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.“), nimmt in unserer Zeit weiter Fahrt auf.

Paradoxerweise sind es in den 1960er und 1970er Jahren gerade jene Akteure fūr die weitere Selbstauflösung des Bürgertums in ihrer korporativen Erscheinung zuständig, die selbst bürgerlicher Herkunft sind. Und noch paradoxer will es erscheinen, dass sich dieser Prozess just in jenen linken Gruppen reproduziert, die selbst zumeist aus dem Bürgertum stammen. Den zunächst emanzipatorischen Anliegen, die seinerzeit zahlreiche Studenten zum Protest gegen ein autoritäres und scheinheiliges Bürgertum auf die Strasse brachten, folgte ein merkwürdiger weitaus autoritärerer Karneval. In diesem Sinne ersetzten sie den Bürger- durch den Proletenkult, um sich aus Scham vor der eigenen Herkunft zu einem neuen Kollektiv zu bekennen, einer revolutionären Arbeiterklasse. Stalin, allen voran Mao Zedong galten ihnen als weit weniger autoritär als Adenauer, stiegen diese in ihren Augen doch zu Ikonen gesellschaftlicher und kultureller Befreiung auf. Dass Derartiges geschehen konnte, hatte mit dem moralischen Verfall der Väter- und Großvätergeneration zu tun, die sich weidlich über die Gewalttaten ihrer Söhne und Töchter echauffierten, aber ihre eigenen Gewalttaten verschwiegen und dabei noch grausige Kriege wie jenen in Vietnam zum Schutz der Freien Welt rechtfertigten.

4. Der Normalisierungszwang im Namen der Mittelklassen

IMG_3406

4.1. Emanzipation vs. Anpassung und Uniformität

Und damit schliesst sich der Kreis. Stehen die Mittelklassen einerseits für einen bürgerlichen Individualismus, der gerade vor dem Hintergrund einer allgegenwärtigen Weltmarktgesellschaft im Hedonismus der Warenwelt zur höchsten Entfaltung kommt, so kann der Rekurs auf kollektive Werte auch immer zum Kontrapunkt werden. Vor der NS-Herrschaft gab das Bürgertum mehrheitlich seine Wertvorstellungen auf, um sich in die vermeintliche Volksgemeinschaft einzureihen. Der klassische Wunsch, sich durch humanistische Bildung oder bestimmte Wertvorstellungen vom gemeinen Volk abzuheben, trat vor dem Wunsch nach persönlichem Wohlstand zurück. Insoweit stehen die späten 1960er und 1970er Jahren mit ihrem gesellschaftlich erstarkenden Individualismus in einem asymmetrischen Verhältnis zueinander zu jenem verordneten Nationalkollektiv in der Nazizeit. Doch der Wunsch des Bürgers nach wirtschaftlichem Aufschwung war am Anfang de 1930er Jahre nach einer gewaltigen Rezession ebenso spürbar wie im Zuge der Studentenbewegung, nachdem sich erste Risse im westdeutschen Wirtschaftswunderland gezeigt hatten.

Die wirtschaftlichen und politischen Konjunkturen können in den Mittelklassen, grob umrissen, zwei gegensätzliche Tendenzen befördern, ein Festhalten an der eigenen Autonomie gegenüber anderen Klassen und Schichten der Bevölkerung einerseits oder die Unterwerfung unter die bloßen Verhältnisse des Weltmarktes, aber auch unter einen charismatischen Führer, in dessen Hände man die Geschicke der Nation gibt. Gibt das Bürgertum seine eigenen Werte preis unter dem Vorwand, nur unter diesen Bedingungen seien diese zu verteidigen, kann eine demokratische Ordnung in Gefahr geraten, können autoritäre Zustände mit autokratischen Folgen entstehen. Es ist wie heute aber auch eine andere Option denkbar.

4.2. Transformationen der liberalen Gesellschaft

Die Selbstaufgabe der Mittelklassen kann im Ergebnis auch nach jenem Modell erfolgen, wie wir es im Zuge der 1968er beschrieben haben. Was zunächst mit einem emanzipatorischem Erwachen wie ein frischer Frühlingswind eine in überlebten Werten befangene Gesellschaft durchschüttelte, ging in ihrer dominanten Variante in einen beispiellosen Hedonismus und narzisstischen Verirrungen über, was bis heute anhält. Dabei geht die Tendenz zur Befreiung glücklicherweise nicht ganz verloren.

Die Bewegung der Frauen und der Schwulen haben viel dazu beigetragen, ‚die alten Mumien vom Podest‘ zu reißen, auch wenn einem Teil des Feminismus recht reduktive Vorstellungen von Emanzipation innewohnen. Die Debatten über den sogenannten Gender Main Stream, die nicht zuletzt auch reaktionäre Geister auf den Plan rufen, zeigen, dass sich eine Kulturelite nur allzu gerne im Sprachlich-Symbolischen aufhält, ohne das häufig viel diffusere Reale überhaupt zu erfassen. Kaum noch wahrnehmbar ist indes dabei jene den emanzipatorischen Wandlungen der 1960er Jahre folgende linksradikale Variante, die ebenfalls dazu beitrug, noch verbliebenen bürgerlichen Konventionen den Kampf anzusagen. Auch sie implizierte letztendlich ein Abtreten der Mittelklassen, die sich drappiert mit den Symbolen der Befreiung auf einen permissiven Standort zurückzogen. Doch darin waren ihnen auch andere Klassen und Schichten gleich, die sich allesamt einem Normalisierungszwang unterwarfen. Lassen wir an dieser Stelle wiederum Pier Paolo Pasolini zu Wort kommen, der in seiner Kritik an der liberalen Gesellschaft Michel Foucault doch sehr nahe kommt.

Kein faschistischer Zentralismus“, meint Pasolini, „hat das geschafft, was der Zentralismus der Konsumgesellschaft geschafft hat. Der Faschismus propagierte ein reaktionäres und monumentales Modell, das sich jedoch real nie durchzusetzen vermochte. Die verschiedenen Sonderkulturen (die der Bauern, der Subproletarier, der Arbeiter) richteten sich vielmehr weiter unbeirrbar nach ihren überlieferten Modellen. Die Repression ging nur so weit, wie es zur Sicherung des verbalen Konsenses erforderlich war. Heute dagegen ist der vom Zentrum geforderte Konsens zu den herrschenden Modellen bedingungslos und total. Die alten kulturellen Modelle werden verleugnet. […]

Mit Hilfe des Fernsehens hat das Zentrum das Ganze Land, das historisch außerordentlich vielfältig und reich an originären Kulturen war, seinem Bilde angeglichen. Ein Prozess der Nivellierung hat begonnen, der alles Authentische und Besondere vernichtet. Das Zentrum erhob seine Modelle zu Normen der Industrialisierung, die sich nicht mehr damit zufrieden geben, dass der ‚Mensch konsumiert‘, sondern mit dem Anspruch auftreten, es dürfe keine andere Ideologie als die des Konsums geben.

4.3 Die in Unordnung geratenen Seinsweisen der Menschen

In dieser Zeit mit weltweit zunehmenden autokratischen Tendenzen stellt sich aus heutiger Sicht die Frage, ob diese nicht auf jenen toxischen Individualismus reagieren, mit dem sich ein notwendiges Gleichgewicht zwischen dem Selbstsein (dem Menschen in seinen Eigeninteressen und Befindlichkeiten), dem Mitsein (dem Menschen als gesellschaftliches Wesen) und dem Gegebensein (die Natur, Gott) verloren hat. Eingedenk der klimatischen Verwüstungen, die vielfach in der Öffentlichkeit wie eine Heimsuchung empfunden werden, erscheint Letzteres heute zwar in einem gänzlich anderen Licht. Die jungen Leute, die freitags aus Sorge um ihre Zukunft auf die Straße gehen, spüren selbst angesichts ihres eigenen Selfie-Individualismus, dass dieses Gefüge nicht in Ordnung ist. Denn wenn wir Pasolini richtig verstehen, dann kann die Selbstaufgabe der Mittelklassen auch darin bestehen, dass diese ihren Konsumismus, Hedonismus und ihren zur Schau getragenen Liberalismus auf den Ruinen ihrer einstigen Wertvorstellungen und Konventionen gesellschaftsfähig machen.

Das Paradoxe an dieser Entwicklung lässt sich nur schwer beschreiben. Sicherlich, es gibt die in sozialer Hinsicht Abgehängten, seien es Individuen, Städte, Regionen oder ganze Länder. Sie brauchen ihre Ohren nicht mehr vor den „Zukunfts-Sirenen des Marktes“ (Nietzsche) zu verstopfen, weil diese ohnehin schon lange keine Wirkumg mehr auf sie ausüben. Nicht nur sie wenden sich aber zu Recht oder zu Unrecht anderen Sirenen zu, die lautstark auf sich aufmerksam machen und ihre Zuhörer ins Verhängnis führen. Aber auch in der Mitte der Gesellschaft fühlen sich Menschen durch das rücksichtslose, zuweilen übergriffige Verhalten ihrer Mitmenschen belästigt oder gar bedroht, obwohl es doch sie selbst sind, die sich auf ähnliche Weise verhalten können. Auf allen Ebenen wird man gewahr, wie sehr sich die Relationen zwischen den Seinsformen verschoben haben. Der einstigen Einseitigkeit, jener alten Uniformität platter Gehorsamsregeln, ist eine nicht minder banale Monotonie unterschiedslosen Geplappers gewichen, von dem Neil Postman schon in den 1980er Jahren gesprochen hatte. Dabei ist unverkennbar, wie Foucault es einmal irgendwo formulierte, dass das Ungesagte weitaus mehr über den gesellschaftlichen Diskurs aussagt als das, was sich eigentlich in Wort, Bild und Ton darstellt.

Demokratie bedeutet aber, im Diskurs wieder richtig zu rücken, was eben durch diesen in Verhalten und Erziehung in Unordnung geraten ist. Es ist aber nicht sicher, ob diese Strategie noch verfangen kann. Zu sehr drückt nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene jene Versuchung des charismatischen oder wenigstens doch mächtigen Führers, der vermeintlich heilt, was in der sozialen Wirklichkeit zerbrochen wurde.

image-13

5. Bilanz

Es bedeutet aber auch, dass geltende Koordinaten einer Überprüfung bedürfen. Was ‚rechts‘ und ‚links‘ ist, hat sich nicht nur an diskursiven Traditionen zu orientieren. Dass das eine bisher zumeist beschränkter Nationalismus und aggressiver Rassismus bedeutet, ist zwar heute immer noch richtig. Ebenso auch dass das andere sich mit Weltoffenheit und Toleranz verbindet. Und doch können wir diese sehr ins Allgemeine gehaltene Aussage nicht mehr ungeteilt übernehmen, zumal beide Traditionen von Verbrechen gezeichnet sind, die in ihrem Namen begangen wurden. Was ‚Faschismus‘ heißt, ist zwar nicht immer genau definiert, doch wenigstens in Bildern hinreichend bekannt. Was ‚Antifaschismus‘ besagt, hat noch diffusere Bilder hervorgebracht, die des Aufstands im jüdischen Ghetto, die der französischen Résistance, der Partisanen in den besetzten Gebieten, aber auch jener Terror, der im Namen der Befreiung gegen Antifaschisten, Juden und Christen, selbst gegen Kommunisten und parteilose Linke wüten sollte. An vermeintlich charismatischen Führern hat es auf beiden Seiten nicht gemangelt. Doch Lichtalben haben sich fast ausschließlich als Nachtgestalten zu erkennen gegeben. Die Traditionen sind verbaut, auch wenn ich mit den meisten Antifaschisten sympathisiere, die für eine gute Sache zu kämpfen glauben und es zumeist auch tun.

Was heute gerade im Zeichen des Weltmarktes so verheißungsvoll erscheint, kann nicht nur neue einseitige Abhängigkeiten wie im Kolonialzeitalter produzieren. Es kann auch im Inneren der Regionen und Nationen Stimmungs- und Bewusstseinslagen hervorbringen, die genau deren Selbstisolation oder gar Rassenhochmut bewirken. Zugleich ist aber auch denkbar, dass diese ihre Autonomie gegenüber dem Weltmarkt verteidigen, dass sie sich einem als falsch erkannten Weg verweigern, wie dies etwa beim Staat Kalifornien der Fall ist, der sich von der verhängnisvollen Klimapolitik der jetzigen US-amerikanischen Zentralregierung abgrenzt. Vor dem Hintergrund des Brexit rückt die so lang umkämpfte nationale Einheit Irlands ebenso in den Bereich des Möglichen wie die Unabhängigkeit Schottlands.

Nicht weniger stellt sich die Frage, was denn geschähe, wenn sich ein einstmals frei gewählter Präsident der Europäischen Kommission auf ähnlich politische Weise gebärdete wie die Herren Orban oder Salvini. Wir sprachen von Stimmungs- und Bewusstseinslagen. Warum sollte in der Europäischen Union nicht möglich sein, was im Superstaat USA längst Realität geworden ist, wo der Präsident Teile seines Volkes gegeneinander ausspielt, hohe Grenzzäune errichten will und Einwanderer tutti quanti aufs Übelste diffamiert und schikaniert.

Wie die festen Milieus in der Gesellschaft schwinden, so müssen auch diskursive Traditionen aus ihrer Genese und Entwicklung bewertet werden. Was ‚rückschrittlich‘ oder ‚progressiv‘ ist, muss sich aufgrund heutiger Erfahrungen aus den jeweiligen Kontexten ergeben. ‚Individualismus‘, seines Zeichens als Erbschaft unserer Kultur ein Äquivalent für das erstrebte Ziel eigenständigen Denkens und Handels, ist heute kein unschuldiges Kind mehr. Ebensowenig ist gesellschaftlicher Zusammenhang und soziale Solidarität nicht mehr unbedingt mit einen Zwangskollektiv zu verwechseln, das Dissens der Meinungen und Differenz der Lebensauffassungen nicht zuließe. Auch Geschichte bedeutet, neue Erfahrungen zu machen, ohne in alte Traditionen zurückfallen zu müssen.

Veröffentlicht unter Ankündigung | Verschlagwortet mit , ,

2018-1 Zivilcourage und Gemeinschaftssinn im Film – Das Schweigende Klassenzimmer

Vor einigen Wochen habe ich mit einem guten Freund den neuen deutschen Spielfilm Das schweigende Klassenzimmer gesehen, das der Regisseur Lars Kraume nach dem gleichnamigen Sachbuch von Dietrich Garstka gedreht hatte. So belastend uns deutsche Geschichte auch erscheinend mag, so unerschöpflich ist sie doch auch als Quelle von Geschichten. Besonders lohnend erweist sie sich, wenn nicht nur prominente oder unbekannte Schurken auf die Leinwand kommen, sondern auch kleine und große Helden des Alltags, die um ihr eigenes Überleben, aber mindestens ebenso um das Leben anderer kämpften. Ging es schon in dem Liebesdrama Der Rote Kakadu, in dem Dominik Graf 2006 Regie geführt hatte, um Zivilcourage, so zeigte sich dieses Motiv drei Jahre später in Florian Gallenbergers Film John Rabe noch unumwundener und zuletzt in Claus Räfles Film Die Unsichtbaren – Wir wollen leben aus dem letzten Jahr am deutlichsten. Nicht zu vergessen ist in dieser Hinsicht auch die Dreiländerproduktion (D, F und GB) in der Regie von Vinzent Perez, die den Roman Falladas Jeder stirbt für sich allein neu verfilmte. In der Kunst erkennen wir die Zeichen der Zeit am allerbesten. Die Partitur unserer Zeit zeigt sich in der Kunst, in diesem Fall der Filmkunst deutlicher als in einem Alltag, in dem uns der Blick verstellt ist.

In diesen und in zahlreichen anderen deutschen Filmen mit Bezügen zur deutschen Geschichte gilt es nicht weniger um die Frage, ob das allgemeine Bild von den Deutschen als Volk der Mitläufer tatsächlich dem Urteil zahlloser Geschichten standhält. Die so häufig missbrauchte Kategorie des Helden erhält hier eine völlig andere Bedeutung, tritt der Held doch zumeist als Einzelkämpfer, wenn überhaupt, mit nur wenigen Gefährten in Erscheinung. Helden sind nicht die Protagonisten von Armeen, die das Vaterland gegen einen äußeren Feind schützen, sondern einzelne und nicht selten auch einsame Menschen, die sich im aufrechten Gang für ihre Heimat, ihre Familie und die ihrigen üben. Oder für jene, die sie zu den ihrigen zählen. Als Sophie Scholl von Gestapobeamten befragt wurde, ob sie erneut so handeln würde, entgegnete sie: „Ja, weil ich es für das Richtige für mein Volk halte.“ Es besteht kein Zweifel, dass es hier um das Gewissen von Menschen ging, für die es eine Schande war, dass das gesamte Gemeinwesen in die kollektive Haftumg für Staatsverbrechen hineingezogen wurde.  Autokratien und Diktatoren war es stets darum getan, ihre Macht vertikal und damit antimodern zu organisieren, dabei aber die Verantwortung für die Folgen ihrer Politik so zu verteilen, dass diese möglichst viele über die exekutive Gewalt hinaus zu tragen hatten. Möglichst viele sollten über den engeren Täterkreis hinaus haftbar gemacht und damit schuldig werden. Dabei hatten es jene, die nicht unmittelbar an Verbrechen beteiligt waren, stets ungleich schwerer, ihr Gewissen von einer ungleich abstrakteren Schuld zu reinigen. Immer plagte sie mit dem Gewissenskonflikt auch die Frage, was sie denn wohl unter ihren Umständen hätten tun können, um Verbrechen zu verhindern. Diese Frage, deren Antwort auch spätere und damit freiere Generationen schuldig bleiben mussten, lässt sich leicht stellen, aber oft kaum beantworten. Häufig belegen sie, wie am Beispiel der Geschwister Scholl, einen heldenhaften Widerstand im zivilen Leben, ohne allerdings in der Lage zu sein, Verbrechen gleich welcher Art und Größe tatsächlich  verhindern zu können. Aber natürlich stellt dieser aufrechte Gang nicht nur unter Beweis, dass selbst unter einer noch so gewalttätigen Diktatur ein offenes Wort, wenn auch um den Preis des eigenen Lebens, möglich ist. Er zeigt auch, dass hier im Namen einer schweigenden Minderheit zur Sprache gebracht wird, was auch zur  Tradition einer res publica in Deutschland gehört.

Auch im jüngsten Film Das schweigende Klassenzimmer geht es um einen Akt zivilen Ungehorsam gegen einem Staat, der sich geradezu emphatisch zum antifaschistischen Vermächtnis der Geschwister Scholl bekannte. In der DDR gehörte das Aufbegehren gegen die Nazidiktatur zu den besten deutschen Traditionen, für die allerdings in den Grenzen des neuen Staates keine Verwendung mehr war. Überhaupt galt Zivilcourage den Machthabern als  Ausdruck eines individualistischen Bewusstseins, das als ungeeignetes Mittel in den Klassenkämpfen der Zeit erscheinen musste. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine ostdeutsche Abiturklasse, die sich anlässlich des Ungarischen Volksaufstands 1956 zu einer Schweigeminute für die Opfer im Unterricht entscheidet. Auf diese relativ zaghafte Solidaritätsbekundung reagiert die sozialistische Staatsmacht mit einer unverhältnismäßigen Härte, mit der weder die Schüler noch ihre Eltern oder die Schulleitung gerechnet haben. Doch mit dieser Reaktion ist nun gewiss, dass eigenständiges Denken oder gar das Bekenntnis zu einem eigenen Standpunkt gänzlich unerwünscht sind. Interessant ist dabei auch, wie ein Staatswesen, das auf kollektive Gemütsverfassungen setzt, doch mit den Interessen, Ambitionen und Ängsten des einzelnen Menschen spielt, wie Denunziation als Mittel der allumfassenden Kontrolle und als Überwindung oppositioneller Regungen eingesetzt wird. Der Tenor der Lieder, etwa ein FDJ-Aufbaulied aus der Feder Bert Brechts, ist so ganz anders als jene Wirklichkeit der DDR im Jahre 1956, in der Kadavergehorsam aus alten Zeiten nach wie vor an der Tagesordnung ist:

Besser als gerührt sein ist: sich rühren,
denn kein Führer führt aus dem Salat!
Selber werden wir uns endlich führen,
weg der alte, her der neue Staat!
Fort mit den Trümmern…

Jede noch so um das allgemeine Menschheitsglück besorgte Diktatur appelliert aus Menschkenntnis (nicht zuletzt der eigenen Funktionärskaste) stets an den Egoismus des einzelnen, der ihr kontrollierbarer erscheint als individuelles Aufbegehren. So wird selbst ein Minister in der Klasse vorstellig, um zu erzwingen, dass diese den Namen der Rädelsführer bekannt gibt, der den konterrevolutionären Aufstand angezettelt hat. Besonders brutal geht man mit Erik um, der mit Stolz auf seinen Vater, einem im KZ gepeinigten und verstorbenen Rotfrontkämpfer zurückblickt. Als man ihn aber damit erpresst, die Wahrheit über dessen ‚mangelnde Standfestigkeit‘ gegenüber den Nazis in der Presse preiszugeben und damit den schönen Schein des antifaschistischen Mythos zu zerstören, gerät die Situation außer Kontrolle. Letzten Ende nehmen sich die Schüler ihr Recht, das Abitur erfolgreich abzuschließen, im Westen freilich, weil die sozialistische Staatsmacht deren uneingeschränkte Solidarität mit der Relegation der gesamten Klasse bestraft. Die fragwürdige Moral des Staates besteht also darin, dass es nur dann sinnvoll ist standhaft zu sein, wenn eine höhere Macht, nicht aber das eigene Gewissen diesen Sinn definiert.

Man könnte nun die Frage stellen, was für ein Sinn ein solcher Film in unseren demokratischen Verhältnissen haben könnte. Wer eine ‚demokratische Ordnung‘ aber ernst nimmt, weiß, dass diese nicht alles ordnet, eben weil alles andere ‚totalitär‘ wäre. Dass die Macht nicht immer mit jedermann ist, scheint ebenso gewiss wie der Umstand, dass schon ein offenes Wort bei uns auch verheerende Konsequenzen für den mutigen Sprecher nach sich ziehen kann. Eben da, wo der angeblich so freie Geist wohnt, ist Demokratie für nicht wenige Menschen eine Höflichkeitsfloskel, die nach dem alltäglichen Befinden eines anderen Menschen fragt, ohne aber tatsächlich genau wissen zu wollen, wie es um diesen steht. Natürlich wollen die meisten Menschen irgendwie zu den Anhängern der Demokratie gezählt werden, aber nur wenige sind tatsächlich daran interessiert, wegen allgemeiner demokratischer Verfahrensfragen ins Unrecht zu geraten oder gesetzt zu werden. Manche betrachten es gar als Skandalon, wenn ihre Zeitgenossen auf ihrer Meinung bestehen und diese auch noch offen kundtun. Und doch ist gerade in unserer Zeit, in die Demokratie angesichts zunehmender autokratischer Regime in der Welt und im sogenannten freien Westen selbst Bewährungsproben zu bestehen hat, Zivilcourage mehr denn je notwendig. Gerade Demokratie lebt von Zivilcourage und zivilem Aufbegehren, wie es die jungen Leute heute auf ihren Demonstrationen in Washington gegen die Waffenlobby unter Beweis stellen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , ,

07 – 2015 Umzug meines Blogs bis zum Dezember 2015 – Willkommen auf meinem neuen Blog

blog design stormy
Sehr verehrte Damen und sehr geehrte Herren, werte Freunde meines Blogs,

ich bedanke mich bei den Mitarbeitern von blog.de für die ausgezeichneten Möglichkeiten, einen eigenen Blog zu erstellen und über Jahre zu führen. Ich bedauere daher schon jetzt die Entscheidung dieses Portals, seine Dienste zum Ende des Jahres einzustellen. Angesichts der guten Erfahrungen mit blog.de fällt es mir schwer, mich für einen anderen Anbieter zu entscheiden. Ich werde daher an verschiedenen Stellen versuchen, meine alten Blogeinträge auf eine neue Seite zu migrieren, wie es wohl in der Fachsprache heißt. Aber abgesehen von dieser gekonnten Vokabel kenne ich mich in dieser Hinsicht so gut wie gar nicht aus. Da mir aber noch etwa fünf Monate bleiben, hoffe ich bis dahin eine passende Lösung gefunden zu haben.

Kurzfristig habe ich es zunächst bei ‚wordpress‘ versucht, wo ich unter

kianharaldkarimi.wordpress.com

erreichbar bin. Es kommt mir sehr darauf an, dass die Einträge der letzten fünf Jahre nicht sang- und klanglos aus dem Netz verschwinden. Leider finde ich aber weder das Design des neuen Blogs ansprechend genug, wobei mir auch das alte fehlt, das doch zu dem von mir angestrebten Rahmenthema so gut passt. Es ist zunächst nur ein Versuch, und meine Blogs werden womöglich bei einem Anbieter landen, der für einen für derartige Arbeiten nicht eben begabten Blogger die besten, d. h. am besten zugänglichen Instrumente liefert.

Liebe Leser. Ich freue mich über Ihr wachsendes Interesse an meinem Blog und versuche, mein Möglichstes zu tun. Meinen nächsten Blogeintrag werde ich Ihnen unter dem alten wie dem neuen Portal zugänglich machen.

Zunächst einmal wünsche ich Ihnen allen die vorzüglichste Sommerfrische.

Ihr
Kian-Harald Karimi

Kurzmitteilung | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Moi aussi, je suis Charlie

charlie
Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

01 – 2015: Ein frohes Neues Jahr 2015 oder To Be or not to be

IMG_1642[1]

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe private Dozentinnen und Dozenten, liebe Welt (weiblich, männlich und sächlich), ich weiß nicht, ob ich diesen Blog in diesem Jahr, das jetzt beginnt, noch zu Ende bringen werde. Sosehr mich die weitere Entwicklung selbst auch betreffen mag, so wenig kann ich sie beeinflussen. Ich kann sie nur kommentieren, wie ein ferner Beobachter auf das Leben anderer. Schon lange belegen meine Kommentare, dass ich nicht der Verfasser meines eigenen Lebens bin, sondern es allenfalls wie ein. Chronist mit Anmerkungen versehen kann. Entscheidungen fällen andere, ich kann sie nur in meine Lebensgewohnheiten übertragen, d. h. diese an die Gegebenheiten anpassen, die ich in dieser Folge zu bewältigen habe. Mir geht es wie zahlreiche andere Zeitgenossen, die vergeblich nach dem Sinn westlicher Freiheit suchen. Nicht wenige versuchen sich durch eine fragwürdige Mitgift der Zeit selbst einzuschläfern, durch Drogen, Alkohol. Ich urteile nicht darüber, da mir diese Erfahrung fehlt und damit fremd ist. Diese Ignoranz macht mich nicht zu einem besseren Menschen, sondern in dieser Hinsicht eher zu einem unerfahrenen. Doch mein Wunsch nach neuen Erfahrungen geht in eine völlig andere Richtung. 

Meine neuen Lebens- und Arbeitsbedingungen im Jahr 2015 Seit 1993 arbeite ich nun als wissenschaftlicher Angestellter an deutschen Hochschulen. Nachdem ich 1990 meine Dissertation abgeschlossen hatte, erhielt ich drei Jahre später die Gelegenheit, mich im Rahmen einer wissenschaftlichen Assistenz zu habilitieren. Im Sommer 2000 war dann mein Verfahren erfolgreich abgeschlossen, und ich konnte seither zahlreiche Professuren in der Republik vertreten. Dass man mir offenbar solche Aufgaben auch noch in allen größeren romanistischen Teilbereichen (bis auf den rumänischen) zugetraut haben musste, lag also auf der Hand. Dass ich die Erwartungen von Kollegen und Studenten befriedigt haben musste, dürfte auf Grund der langen Folge von Vertretungen auch der Fall gewesen sein. Meine Lehrzeit war also überaus lang, hatte aber paradoxerweise dennoch keine Berufung zur Folge. Zur Zeit sieht es sogar so aus, dass ich mit absolut leeren Händen dastehe, so als ob ich bisher nie vertreten, publiziert und gearbeitet hätte. Als Kind und Jugendlicher habe ich mich als Fremdkörper in diesem Land empfunden. Das Studium der Romanistik, dann die Promotion und schließlich die Habilitation hatten mir dazu verholfen, mich dann doch als Teil dieses Landes zu fühlen. Doch die beständigen Niederlagen, die ich im Zuge meiner Privatdozentur, erst recht aber in den letzten Jahren erleben musste, haben mir meine Fremdheit und meinen ‚Migrationshintergrund‘ wieder vor Augen geführt. Zu sehr habe ich den traurigen Eindruck gewonnen, dass man mich nicht dabei haben will. Wie kann ich unter diesen erschwerten Bedingungen noch ein freier Mensch bleiben? Wie kann ich statt ständige Klage zu sein, auch ein Stück Hoffnung für mich selbst und andere werden. Denn gegenüber dem allgegenwärtigen Leiden Hunderttausender Flüchtlinge, den unzähligen Kriegen, Konflikten und Krisen, welche die heutige Welt erschüttern, erscheint selbst die noch so leidige Situation von stellenlosen Privatdozenten und arbeitslosen Akademikern trotz ihrer offenkundigen Tragik doch unverhältnismäßig harmlos und somit in gewisser Weise lächerlich. Man verkennte die Zeichen dieser grauen und grausamen Zeit, wenn man die unmittelbarsten Existenzängste ganzer Völker nicht ernst nähme und die eigenen Befindlichkeiten nicht in ein Verhältnis zu diesen setzte. Letztlich ist jeder von uns nur eine Stimme in der Partitur unserer Zeit, eine Fußnote im Text der Geschichte. Man darf sich nicht so wichtig  nehmen, als dass man diese allgemeine Lage außer Acht ließe. Aber als gute Philologen wissen wir, dass auch jede Fußnote ihre Berechtigung haben kann und als solche Beachtung verdient. Fußnoten pflegen im wissenschaftlichen Text immer dann aufzutreten, wenn eine Aussage um Ausblicke, Erweiterungen, Zusätze, genauere Angaben, aber auch Relativierungen ergänzt werden muss. In Hinblick auf die Biographien von privaten Dozenten und Kollegen aus dem Mittelbau scheint mir besonders der letztere Fall zutreffend zu sein. Ihre unzähligen Fußnoten räumen in einem Text voll selbstzufriedener Reden der Politiker und Ökonomen sowie jener zum Behaglichen neigenden Chroniken unserer Zeit ein, dass nicht jedem Zeitgenossen die dem allgemeinen Applaus preisgegebenen Wohltaten von Staat und Wirtschaft in gleicher Weise zukommen und beglücken. In zumeist jeder dieser Fußnoten trifft der Leser auf Erfahrungen, die das allgemeine Gerede von der Chancen- und Leistungsgerechtigkeit Lügen strafen. Erst wenn der Leser späterer Jahre auch diese Fußnoten wahrnimmt, kann er ermessen, was die Zeit um Anno Domini 2015 ausmacht. Lässt er sie unbeachtet, fällt ihm nur das laute Spektakel einer in Fieberanfällen aufgekratzten Selbstzufriedenheit auf, die sich beständig auf die Schulter klopft. Unter Gähnen vernimmt man die altbekannten Siegesmeldungen vom größten Exporteur, vom größten Rückgang der Arbeitslosenzahlen und vom bisher höchsten Anstieg der erwerbstätigen Bevölkerung. Jedermann geht es so gut, dass freilich kein Anlass zur Klage mehr besteht. Wer oder was dennoch klagt, ist unverbesserlicher Querulant, der sich gegenüber Gesellschaft, Staat und Wirtschaft als undankbar erweise. Wenn man dann auch noch einen Migrationshintergrund hat, erwächst daraus ein noch gravierenderes Problem, das in diesem Kontext nicht unterschlagen werden soll.

Fremd als Eingeborener mit ‚Migrationshintergrund‘ in diesem ‚Einwanderungsland‘. in Deutschland Ich habe im Rahmen dieses Blogs schon häufig meine Haltung zu erkennen gegeben, so dass ich dies eigentlich nicht mehr tun müsste. Dennoch will ich auch diesmal nicht unterschlagen, dass ich dieses Land, seine Kultur und Sprache liebe, sogar außerordentlich liebe. Manchmal fällt es mir schwer zu verstehen, warum es so viele Deutsche gibt, die ihrem eigenen Land nur mit Ablehnung oder gar Hass begegnen können, immer mit dem Hinweis auf die Hitlerei, die den Massenmord im deutschen Namen legitimierte und diesen damit in den Dreck zog. Diese Zeit war schrecklich, auch schrecklich lang, doch glücklicherweise war ihr keine Dauer von tausend Jahren beschieden, wie dies die Nazis glauben machen wollten. Seit den 1960er Jahren hat in Kultur, Wissenschaft und Politik dieses Landes wie nirgendwo anders ein Prozeß eingesetzt, in dessen Verlauf Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus in allen gesellschaftlichen Bereichen diskutiert wurden. Natürlich gibt es immer noch Xenophobie, Antisemitismus und Rassismus, die sich leider Straßen und Plätzen austoben. Dennoch macht es keinen Sinn, diesem Land feindselig gegenüber zu stehen, weil man es mit dem alten argwöhnischen Aussagen bedenkt, es sei ohnehin so schuldhaft in seine eigene Geschichte verstrickt, dass es immer wieder zum Wiederholungstäter zu werden drohe. Eine solche Haltung gegen sich selbst käme schließlich einer Sippenjustiz gleich, die zur Rechtnorm des NS-Staates gehörte. Wer sie gegen sich selbst anwandte, könnte es eines Tages auch gegen andere tun.

Natürlich haben die Gemetzel des sogenannten ‚Nationalsozialistischen Hintergrunds‘ an muslimischen Migranten Spuren hinterlassen. Aber nicht weniger bedrückt mich neben der Xenophobie auch eine merkwürdige zur Schau getragene Xenophilie, die nicht bereit ist, tatsächlich über öffentliche und schöngeistige Bekundungen der Solidarität hinauszugehen und die Grenze zwischen schönem Schein und bitterer Realität anzutasten. Da wird mit Recht davon gesprochen, dass man Fremde und Migranten im Rahmen einer ‚Willkommenskultur‘ aufnehmen soll. Doch was geschieht mit jenen Deutschen, die bereits in den 1950er oder 1960er Jahren mit einem Migrationshintergrund in dieses Land hineingeboren wurden. Was soll man davon halten, dass man neue Migranten in dieses Land zu integrieren sucht, derweil man nicht daran fragt, wie es jenen geht, die bereits in dieses Land hineingeboren wurden, bevor man auch nur an die Anderen denken konnte?
Ich habe mich niemals für einen „cas unique“ gehalten, für einen Sonderfall, der ganz aus der Reihe gefallen wäre. Aber in letzter Zeit hat es mich doch stutzig gemacht, wie überrascht sich potenzielle neue nichtakademische Arbeitgeber über meine Bewerbung zeigten. Und auch erinnere ich mich sehr gut jener Journalisten, die mich im Lauf des letzten Jahrzehnts zu meiner Situation befragten. Immer wieder ließen sie von ihrer Seite das Unverständnis durchblicken, dass ein habilitierter Akademiker nach so zahlreichen Professorenvertretungen noch immer nicht wenigstens mit einer festen Stelle im Mittelbau bedacht worden sei. 

Keine positive, aber auch keine negative Diskriminierung

Ich habe es immer für falsch gehalten, nach der Art eines profiling beurteilt zu werden, wie wir es aus den USA kennen. Gerade in Einrichtungen, die vorrangig auf die wissenschaftliche Kompetenz ihrer Beamten und Angestellten angewiesen sind, sollte auch einzig und allein diese und keine anderen Kategorien im Vordergrund stehen. Frauen gilt es selbstverständlich zu fördern, da sie zumindest in den Geistes- und Humanwissenschaften auch einen wesentlichen Anteil an den Studierenden haben.
Aber diese Förderung sollte im Rahmen einer Gleichstellung mit ihren männlichen Kollegen erfolgen und nicht als Ergebnis einer Besserstellung. Denn diese haben frühere  Generationen schließlich in den vorangegangenen Jahrhunderten auf Grund eines Patriarchats zur Genüge kennenlernen können, als Frauen der Zugang zum Studium verwehrt wurde und schon gar nicht daran gedacht war, sie in Professorenkollegien aufzunehmen. Eine ähnliche Haltung gilt natürlich auch für Minderheiten jeglicher Art. Eine positive Diskriminierung sollte ebenso ausgeschlossen sein wie eine negative. Und da habe ich in letzterer Hinsicht wirklich meine Zweifel. Bin ich nicht letztlich doch Opfer einer negativen Diskriminierung geworden? Klingt es nicht zynisch, wenn man allenthalben in Bezug auf ausländische Jugendliche hört, dass sie nur im Zuge größerer Bildungschancen ihren Platz in unserem Land finden können? Wie schwierig ist es doch, auch als gebildete Kraft ohne Chancen leben zu müssen. Eigentlich dürfte man doch dann gar nicht mehr existieren. Lange Zeit habe ich geglaubt, diese Schwierigkeiten seien zufälliger Natur, schon deshalb, weil mir Verschwörungstheorien schon immer zuwider waren. Doch der Umstand, dass immer wieder über meinen Fall in den Medien berichtet wurde, dass ich über ein Jahrzehnt Professuren an fast zehn deutschen Hochschulen vertreten habe, dass ich großen Anklang bei Studenten in meinen Seminaren und Vorlesungen fand und dass ich trotz unentwegter Publikationen, sollte doch über den bloßen Zufall hinausgehen.
Sollten meine Herkunft und mein Name bei diesen Zufällen nicht vielleicht doch ein wenig Pate gestanden haben? Es bleibt Spekulation, da keinem Bewerber auf einen Lehrstuhl oder auf eine Mittelbaustelle derartige Gründe mitgeteilt werden, wenn sie ausschlaggebend waren oder zumindest doch eine Rolle spielten. Doch will es mir nicht recht gelingen, das Bild, das sich unser Land gegenüber neuen Flüchtlingen und Migranten gibt, mit meinen beruflichen Erfahrungen in Einklang zu bringen. Das allgemeine Gerede von der Willkommenskultur müsste zumindest auch einmal jene berücksichtigen, die sich in diesem Land auf Grund ihrer Geburt, ihrer längst erfolgten kulturellen Integration eines Bürgerrechts erfreuen sollten. Menschen wie ich könnten für eine gelungene Integration stehen, zumal diese aufgrund  von Familienverhältnissen und sozialen Milieu auch hätte begünstigt werden können. Meine Eltern waren beide Ärzte, d. h. Akademiker, die mich dazu erzogen, gute Leistungen in der Schule zu erbringen, mein Abitur zu machen und wie sie Medizin zu studieren. Letzteres ist ihnen nicht gelungen, da mein Interessen in eine völlig andere Richtung gingen. Aber sicherlich hatte ich es bei diesen Voraussetzungen leichter als andere Migranten, zumal mein Mutter Deutsche war und unsere Familie kein geschlossener Organismus war, sondern sich als offen gegenüber der deutschen Gesellschaft und deren Veränderungen erwies. Auch in kultureller und religiöser Hinsicht waren meine Voraussetzungen mehr als gegeben. Ich wurde trotz anfänglicher schulischer Probleme nicht allein ‚integriert‘, sondern voll und ganz assimiliert: Einzig und allein die deutsche Sprache zählte für mich als Kind und Jugendlicher. Kaum geboren, wurde ich im katholischen Glauben getauft und vornehmlich in meiner katholischen Oberschule auch erzogen. Für mich sind diese Bindungen noch heute von großer Bedeutung. Auch bin ich meinen Eltern für diese guten Voraussetzungen dankbar, zumal Geburt und Herkunft nicht in meiner Hand lagen, sondern mir zum Geschenk gemacht wurden.
Die Schwierigkeiten, die ich in den letzten Jahrzehnten an der deutschen Hochschule zu gewärtigen hatte, widerlegen die vermeintlichen Integrationserfolge in meinem Fall indes auf doppelte Weise: einmal in Hinblick auf meinen ‚Migrationshintergrund‘, ein Begriff, der übrigens im Französischen gänzlich unbekannt ist, zum Anderen in Hinblick auf die allseits proklamierte Chance, die Bildung allen Lern- und Arbeitswilligen, allen sozialen Aufsteigern vermeintlich bereit hält. Mein Fall, und wahrscheinlich noch zahlreiche andere, zeigen gerade, dass selbst diese guten Bedingungen nicht unbedingt zum Erfolg führen müssen. Sie sollten all jenen Migranten, die mit großen Hoffnungen in unser Land kommen, eine Mahnung sein, dass viele Wünsche und Hoffnungen unerfüllt bleiben werden. Wenn selbst beste Aussichten nicht unbedingt zum erwünschten Erfolg führen, dann wird sich dies womöglich bei jenen Einwanderern als noch schwieriger erweisen, die viel größere Integrationsleistungen zu erbringen haben. Ich wäre gerne mit anderen ein Stück Hoffnung für sie. Aber wie sollte dies möglich sein, wenn ich es noch nicht einmal für mich selbst bin?
 
Seit längerer Zeit zergrüble ich mich den Kopf, wie ich diesem Blogeintrag einen sinnvollen Schluß geben könnte. Aber die Zeit des sinnvollen Schreibens scheint wohl in meinem Leben auch zu ihrem vorläufigen Ende zu kommen. Die jetzige Zeit verliere ich mit dem Nachjagen von Terminen, die vielleicht meinen Nachhilfeschülern nützen, mir aber nur wenig Geld einbringen. Wie gern würde ich doch wieder schreiben. Erst eben erhalte ich die Rückmeldung einer Herausgeberin, die sich sehr über einen neuen Beitrag von mir gefreut hat. Wie wohltuend ist es doch, wieder einmal gedruckt zu werden, auch wenn man damit kein Geld und erst recht keine Stellung zu erwarten hat. Dennoch beim Schreiben hatte ich noch immer das Gefühl, die Zeit als arbeitloser Privatdozent wenigstens sinnvoll nutzen zu können. Aber jetzt bin ich nicht einmal in formaler Hinsicht arbeitslos. Ich lebe von den spärlichen Euros, die ich verdiene. Und so fehlt mir Zeit zu schreiben, was sich auch auf diesen Blogeintrag auswirken musste. Aber noch schlimmer als der Zeitmangel sind die Sinndefizite, die mir diese Monate schon gebracht haben. Die Unproduktivität beginnt sich in Unproduktivität fortzusetzen, um sich wie eine Last auf alles produktive Denken und Arbeiten zu legen. Die vielen wissenschaftlichen Pläne, die vielversprechenden Projekte bleiben liegen, die hoffnungsvoll in Schreibtischfächern schlummern. Und irgendwann werden mir auch die Worte fehlen, die eigene Situation noch gedanklich zu ordnen und zu Papier zu bringen…

Zitat eines namenlos gebliebenen Privatdozenten (N.N.)

Was sind dies nur für Zeiten, in denen Plagiateure Minister oder Abgeordnete werden können, derweil Habilitierte und Privatdozenten von Nachhilfestunden leben müssen?

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

03a-2019: Emmy Hennings (1885-1948): Tänzerin

Dir ist als ob ich schon gezeichnet wäre 
Und auf der Totenliste stünde. 
Es hält mich ab von mancher Sünde. 
Wie langsam ich am Leben zehre!

Und ängstlich sind oft meine Schritte, 
Mein Herz hat einen kranken Schlag 
Und schwächer wird’s mit jedem Tag. 
Ein Todesengel steht in meines Zimmers Mitte.

Doch tanz ich bis zur Atemnot. 
Bald werde ich im Grabe liegen 
Und niemand wird sich an mich schmiegen. 
Ach, küssen will ich bis zum Tod.


03b-2019: Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): Firnelicht

Wie pocht‘ das Herz mir in der Brust

Trotz meiner jungen Wanderlust,

Wann, heimgewendet, ich erschaut

Die Schneegebirge, süss umblaut,

Das grosse stille Leuchten!


Ich atmet eilig, wie auf Raub,

Der Märkte Dunst, der Städte Staub.

Ich sah den Kampf. Was sagest du,

Mein reines Firnelicht, dazu,

Du grosses stilles Leuchten?


Nie prahlt ich mit der Heimat noch

Und liebe sie von Herzen doch!

In meinem Wesen und Gedicht

Allüberall ist Firnelicht,

Das grosse stille Leuchten.


Was kann ich für die Heimat tun,

Bevor ich geh im Grabe ruhn?

Was geb ich, das dem Tod entflieht?

Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Lied,

Ein kleines stilles Leuchten!

Veröffentlicht unter Uncategorized

02-2019: Wissenschaft, Gesellschaft und Wertung (mit neuem Zusatz vom 9. Mai 2019)

In meiner Schul- und Studentenzeit waren mir Bewertungen ein Gräuel. Ich hasste es, bewertet zu werden, vielleicht auch aus der Sorge, man könnte eher aufgrund von Aussehen, Herkunft und Eltern taxiert werden. Hinzu kam, dass der Leistungsgedanken vor dem Hintergrund der dann verglimmenden Studentenbewegung in den 1970er und 1980er Jahre nicht gerade en vogue war. Ich erinnere mich noch gut der Sitzstreiks, die Studentengruppen gegen sprachliche Einstufungstests anstifteten, weil sie der Ansicht waren, dass diese nur zu weiteren Ungerechtigkeiten führen würden.

Heute bin ich ganz anderer Meinung, nicht zuletzt deshalb, weil Leistung die einzige Kategorie ist, die Menschen im Wettbewerb noch eine reale Chance gibt. Sie bietet dem Einzelnen die Möglichkeit, seine Kompetenz unter Beweis zu stellen, im Vergleich mit jenen, die dies auf gleicher Ebene tun. Konkurrenz kann für alle Mitbewerber zerstörerisch sein, aber Nepotismus ist es in noch umfassenderen Sinn, da er als aristokratisches Prinzip vornehmlich auf große Namen setzt, und dies meist indem er von deren Leistungen absieht. Am besten ist ein fairer Wettbewerb, der eben zunächst die Leistungen der Bewerber bewertet, um dann Geschlecht, Augen- oder Haarfarbe in Betracht zu ziehen.

Damit kommen wir zu einem entscheidenden Punkt des Leistungsprinzips. Menschen vergleichen unausgesetzt, auch wenn sie sich selbst vielleicht Vergleichen nicht immer stellen mögen. Sie fragen sich z. B. bei der jetzigen Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche, warum ein Priester, der sich an einem Kind vergeht, besser gestellt sein soll als ein Arzt an einem katholischen Krankenhaus, der seine Arbeit verliert, weil er gegen das Sakrament der Ehe verstösst und ein zweites Mal heiratet. Vergleiche sind auch die Grundlage des Leistungsprinzips, da hier ungeachtet der Person und ihrem Ansehen entsprechende Parameter in Beziehung gesetzt werden.

Die gegenwärtige Krise unserer westlichen Gesellschaften liegt aus meiner Sicht in der Gestaltung des Leistungsprinzips. Sie umfasst alle Bereiche des öffentlichen Lebens, die Bildungseinrichtungen, die Kirchen und die Politik. Denn inzwischen fällt dem Leistungsprinzip jene Rolle zu, die im vorrevolutionären Frankreich dem cartesianischen Cogito als Sprengsatz der ständische Gesellschaft mit ihren Privilegien zugekommen war. Angesichts wachsender Dysfunktionen in Politik und Wirtschaft, der Rolle des TÜV’s bei der Abnahme des Unglücksstaudamms in Brasilien, des Flughafens in Berlin fragen sich immer mehr Menschen in anstrengenden, aber unterbezahlten Positionen, warum die Herrschaften in der bel étage aus ihrer Sicht für ihre an sich untalentierte Arbeit, ihre Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit so gut honoriert werden. Ähnliche Vorwürfe richten sich gegen Politiker aller Kolör, zumal mit dem Hinweis, dass diese für ihre möglichen Fehlentscheidungen auch haftbar gemacht werden sollten.

Machen wir einen kleinen Exkurs in die Geschichte der Philosophie. Warum entstand diese nicht in den grossen archaischen Reichen, sondern gerade in den griechischen Stadtstaaten? Die Antwort auf diese Frage geben Gilles Deleuze und Félix Guattari. In Persien sind es die gottähnlichen Monarchen, die über Recht und Unrecht entscheiden, die Urteile sprechen. Unterliegen diese hier keinerlei Befragung gegensätzlicher oder abweichender Standpunkte, so sind sie in der griechischen Polis Gegenstand von Debatten. Aus dieser Notwendigkeit, Werturteile zu begründen und zu erklären entsteht die Philosophie der Antike. Es bedarf einer grundsätzlichen Wertorientierung, auf deren Grundlage auch im praktischen Leben gehandelt werden kann.

Gerade unsere demokratische Gesellschaft lebt vom Aushandeln von Werturteilen, zumal dann, wenn sie auf dem Pluralismus von Meinungen und Perspektiven beruht. Denn wie anders sollte über die Legitimität von Anliegen befunden werden, wenn nicht durch meinungsbildende Prozesse? Doch können diese nicht auf angemessene Weise stattfinden, wenn ihnen der zugrunde liegende Kompass abhanden gekommen ist.

Meine Erfahrungen beziehen sich natürlich zunächst auf den Bereich der Hochschulen, wo Berufungsentscheidungen in den letzten Jahren immer häufiger in Zweifel gezogen werden. Aber so ließe sich fragen, wie ist es um die Wissenschaften, besonders die Geisteswissenschaften bestellt, wenn Kommissionen sich nicht auf einen Wertekanon oder objektivierbare Kriterien stützen, um geeignete Kandidaten für Professuren zu finden, wenn sie eher sekundären Ausschlusskriterien folgen, wenn sie darauf verzichten, unabhängige Positionen gegenüber Netzwerken Respekt zu zollen. Kann eine Wissenschaft, die letztlich auf derart schütteren Grundlagen beruht, selbst überhaupt noch Werturteile aussprechen? Hat sie sich nicht schon längst im Ränkespiel der Wissenschaftler selbst aufgegeben? Gilt Ähnliches nicht auch für die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die die Fülle der Anträge mit ihrem Budget abstimmen muss und dabei auch außerwissenschaftliche Interessenlagen, wie das Alter des Antragstellers, die Rolle seines Arbeitsbereichs zu berücksichtigen hat. Ich selbst wollte zu einem afrikanischen Thema arbeiten und musste bei der Durchsicht bisher bewilligter Projekte feststellen, dass Afrika seinerzeit (2015) so gut wie keine Rolle bei der DFG spielte. Wer aber, mit welcher Autorität, urteilt hier über die Legitimität von Projekten? Natürlich derjenige, der die seinigen durchzusetzen sucht. Hier verhandelt also Partei gegen Partei. Hier geht es einzig und allein von Einflusssphären, die Personen, aber auch Fächer betreffen. Wie ich den entsprechenden Gutachten entnehmen konnte, mangelt es gerade hier an einer orientierenden Grundlage, die eigentlich jeder Beurteilung vorausgehen müsste, zumal man/frau/es dem Antragsteller zugesteht, dass er die intellektuelle Eignung habe, sein an sich wichtiges Projekt erfolgreich zu Ende zu führen. Stattdessen ergehen sich die Formulierungen in kleingeistigen Hinweisen auf das Fehlen dieses oder jenes Titels, auf mein Alter, auf die aus ihrer Sicht zuweilen antragsfremde Diktion, auf meine an sich reichhaltige Publikationsliste…“Von daher“, wie heutzutage jede Begründung in der Alltagssprache eingeleitet wird, ist auch nicht mit einer wirklichen Würdigung eines derartigen Projekts zu rechnen, wenn es nicht in die Befindlichkeiten und Interessenlage von Gutachtern hineinpasst. Aus diesem Grund müssen diese auch ebenso anonym sein wie deren verlautbarte Sprache, die sich kaum mit dem Anliegen eines solchen Projekts auseinandersetzt und in Allgemeinplätzen zu verharren pflegt.

Aber ich will nicht reduktiv auf diese Erfahrungen aus einem Bereich setzen, der für die meisten Bürger dieses Landes ohnehin keine oder zumindest keine sonderlich große Rolle spielt. Denn ob es sich um die Diäten der Abgeordneten handelt, um die überdimensionierte Altersversorgung von Dax-Vorständen, überall stellen sich Menschen die Frage nach der Legitimität derartiger Bezüge. Und natürlich auch die Frage der tüchtigen Habenichtse, warum ihre Arbeit nicht auch entsprechende Anerkennung findet.

Die Wertschätzung von Tätigkeiten und Kompetenzen, kurzum von Leistungen ist die Grundlage der bürgerlich-liberalen Gesellschaft. Diese hatte vor mehr als zweihundert Jahren mit dem Versprechen begonnen, dass sich der Bürger einen Namen machen muss, den er im Gegensatz zum Aristokraten nicht hat. Geräten diese Fundamente ins Wanken, erleben die Rattenfänger mit ihren falschen Verheißungen Hochkonjunktur.

Blicken wir uns um. Ob in den USA, in Brasilien oder auf den Philippinen – überall ist die liberale Ordnung erschüttert. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn diese Erschütterungen auch uns in Deutschland treffen werden. Europa ist keine Euroase mehr. In Italien sind die liberalen Parteien am Ende. Und in unserem geliebten Nachbarland Frankreich toben bürgerkriegsähnliche Unruhen gegen einen Präsidenten, der bei der Einweihung eines neuen Bahnhofs von einem Ort spricht, in dem erfolgreiche Menschen auf jene treffen, die nichts sind (Originalzitat: „Dans une gare, on croise des gens qui réussissent et des gens qui ne sont rien“). Was für eine eitle Maskerade der Bevorrechteten, die genau wissen, wen sie zu den Bevorrechteten zu zählen haben, zumal sie selbst die Mechanismen der Bevorrechtung aus eigenem Erleben, aus der eigenen Karriere erfahren haben! Dieser Zynismus der Herrschenden wird die Beherrschten dazu veranlassen, ihren Respekt zu verlieren.

Zusatz, Berlin, 9. Mai 2019

Viele Zeitgenossen scheinen gar nicht bemerkt zu haben, dass das sogenannte Profiling nach Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Religion o.Ä. gerade jenen Macht verleiht, die diese im Namen von Gleichberechtigung, Gerechtigkeit u.s.w. über andere ausüben. Dass diesen notwendigen und löblichen Postulaten damit äußerst selten gedient ist, liegt auf der Hand. Dass sie zu Instrumenten in den Händen dieser Wohlverteiler werden, die damit auch überall da, wo Stellen ausgeschrieben und Posten verteilt werden, Privilegien einräumen oder sie auch entziehen, ist eine allgemein anerkannte Einsicht. Aber dieser folgt kein adäquates Handeln, zumal man sich doch auf der richtigen Seite sieht. Gleichberechtigung ist aber nur dann möglich, wenn wir ungeachtet unseres Geschlechts, unserer sexuellen Orientierung, unserer Herkunft nach unseren Leistungen beurteilt werden.

Dies war unter besonders erstarrten patriarchalen Verhältnissen nicht der Fall, als Frauen der Zutritt zu Akademie und Universität versperrt war. Es ist gut, dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören, und es ist richtig, dass noch mehr getan werden muss, damit Frauen einen gleichberechtigten Platz in allen Wissenschaften einnehmen. Aber dies darf nicht um den Preis neuer Ungerechtigkeiten geschehen, deren Opfer Frauen und Männer gleichermaßen sind. Ich weiß, dass ich hier von Selbstverständlichkeiten und Banalitäten spreche. Umso schlimmer für die Tatsachen, möchte man mit Ernst Bloch einwerfen. Umso schlimmer, dass wir hier von Banalitäten sprechen, die dem Normalisierungszwang zuwiderlaufen. An diesen Tatsachen wird sich zeit meines Lebens wohl nichts mehr ändern.

Ich habe Jahrzehnte gegen dieses Profiling gekämpft, das meine akademische Laufbahn zerstörte. Ich habe diesen Kampf, wie zu erwarten war, verloren und aufgegeben. Aber ich blicke ohne Zorn auf meine Zeit, die Emanzipation und Gleichberechtigung verhieß, ohne dass ich sie selbst jemals am eigenen Leibe erlebt hätte. Unter diesen Umständen fällt es mir jedoch nicht schwer, mir vorzustellen, wie Frauen einstmals behandelt wurden und z. T. auch heute noch behandelt werden können, wenn sie sich auf eine Professur bewerben. Weiterer Erkenntnisgewinn in unserer Zeit ist jedoch, dass wir nicht mehr Frauen sein müssen, um Missverhältnisse bei Berufungen, DFG-Anträgen zu erfassen. Sicherlich war dies auch weit früher schon der Fall, denn auch unter patriarchalen Bedingungen galt unter Männern nicht die volle Gleichberechtigung. Was war mit jüdischen Wissenschaftlern, die nicht erst durch die Nazis diskriminiert wurden? Und natürlich geht es auch Frauen heute nicht unähnlich, wenn sie es unter vermeintlich frauenfreundlicheren Bedingungen trotz ihrer Leistungen keine berufliche Anerkennung finden. Aber zu keiner Zeit wurde soviel von Chancengleichheit gesprochen wie in der unsrigen. Und zu keiner Zeit wurde soviel geheuchelt wie in der heutigen.

Es wird späteren Generationen, Akademikerinnen und Akademikern, vorbehalten bleiben, diesen Kampf auszufechten und so mehr Chancengleichheit zu erwirken.

Veröffentlicht unter Uncategorized

01-2019: Transitzeit (2018/19)

Seit Wochen überlege ich, wie und mit welchen Worten ich mich wieder bei meinen Lesern melde. Seit meinem letzten Eintrag (2018-04) ist nicht nur der Sommer, sondern auch das Jahr vergangen. Ich fand einfach keinen Anknüpfungspunkt zu meinen letzten Blog, in dem ich nochmals auf den Umstand einging, dass sich Romanisten nicht nur durch abgesicherte, mehr oder weniger gut bezahlte akademische Positionen geehrt werden, sondern auch außerhalb von Universitätsmauern wiederfinden. Dass letztere eher im Schatten stehen und von Gesellschaft und akademischer Nomenklatur übersehen werden, liegt auf der Hand. Gute Freunde haben mir jedoch immer davor gewarnt, mich in Selbstmitleid einzuschließen.

Ich hoffe aber, dass mein letzter Blog nicht in diesem Sinne verstanden wird. Denn Selbstmitleid ist sicherlich die letzte Droge, die wir als Privatdozenten oder arbeitslose Akademiker gerade brauchen könnten. Ein Narkotikum, das unsere Schmerzen über die eigenen Misserfolge kaum lindern kann und vielmehr genau die Sache jener betreibt, die zu eben diesen Misserfolgen beigetragen haben. Es geht mir jedenfalls nicht um Selbstmitleid, sondern darum, mir in den letzten zehn Jahre mit den Mitteln selbst zu helfen, auf die ich mich am besten verstehe, mit denen der Sprache. Der Prozess des Schreibens nimmt sich nicht nur wie eine Bühne aus, auf dem die laut gedachten Gedanken tanzen und sich von schlechten Gefühlen im kathartischen Sinn reinigen. In ihm gewinnt man auch neue Einsichten über seine Mitwelt, zumal auch diese daran teilnehmen kann.

Es ist durchaus möglich, dass mir manche Leser meine Offenheit übel genommen haben, da sie der Ansicht sind, dass man die eigene Person nicht so sehr in den Vordergrund rücken sollte, vor allem aber, dass man Probleme, die sich aus der eigenen akademischen Vita ergeben, niemals öffentlich zur Sprache bringen sollte. Ich will nicht ausschließen, dass ich mit meinem Blog selbst zu dem bekannten Umstand beigetragen habe, dass ich nicht zum Professor berufen wurde. Demokratie pflegt letztlich leider immer dann zu enden, wo die konkreten Arbeits- und Lebensumstände zu beginnen pflegen.

Wahrscheinlich war ich zu naiv, zu sehr von der Bedeutung dessen überzeugt, was wir in unseren Seminaren über Postmoderne und Postkolonialismus zum freien Aushandeln von Wertvorstellungen, zum Vermeiden von Essenzialismen diskutiert haben. Ich war viel zu sehr davon überzeugt, dass diese Zäsuren in unserem Denken doch auch Auswirkungen auf unser zwischenmenschliches Handeln und unseren Alltag haben müssten, dass sich diese nicht auf eine bloße Gedankenakrobatik zu beschränken hätten. Was mich stets enttäuschte, waren jene akademischen Mit- und Nachdenker, die mit der Realität anders umzugehen pflegten als mit ihren theoretischen Steckenpferden. Aufgrund meiner theoretischen Skepsis hätte ich es besser wissen müssen, zumal ich die grandiosen Widersprüche zwischen Theorie und Praxis aus den 1970er Jahren der ML-Bewegung zur Genüge habe kennen lernen dürfen.

Ich spreche von der Vergangenheit. Mit dem letzten Jahr ist für mich die Einsicht gekommen, dass ich kein Akademiker im Vollzeitmodus mehr sein werde und damit ein wichtiger Zeitabschnitt in meinem Leben endgültig einen Abschluss gefunden hat. Ich bin extra muros und freue mich darauf, dass in zwei Jahren eine andere, vielleicht noch wichtigere Phase ihrem Ende entgegen geht. Ich werde dann im Rentenalter sein und mich endgültig dem zuwenden, was ich immer als mein eigentliches Ziel angesehen habe, zu schreiben und evtl. auch noch zu lehren, sofern die Studenten es wollen und die Universitätsverwaltung es erlaubt. Vielleicht würde es mich auch freuen, meine Teilnahme an Kongressen und Tagungen anmelden zu können, zu denen ich nunmehr ohne Sorge um Listenplätze beitragen kann.

Damit wird sich auch dieser Blog allmählich verwandeln. Der Ort der Selbstverständigung über die verlorene und verworrene Lage eines Privatdozenten wird neuen Aufgaben weichen. Aber dieser Blog wird sich stets besonders jenen jüngeren Lesern bzw. Kollegen zuwenden, die sich in meiner bisherigen Situation wieder erkennen und ebenso wie ich nach Orientierung suchen, dabei aber weitaus jünger sind als ich und demnach noch einen viel weiteren, womöglich noch steinigeren Berufsweg vor sich haben. Dennoch wird sich die Bedeutung allmählich zugunsten aktueller Fragen, auch der politischen und kulturellen Gegenwart, verschieben müssen. Man kann nicht ewig mit Abschiedsgesten auf sich aufmerksam machen, wenn der Zug schon lange an einem vorbeigefahren ist. Vielmehr gilt es neue Wege zu beschreiten, auch wenn diese unvertrauter erscheinen mögen als jene auf einem Campus.

In den letzten Jahren hatte ich immer wieder vergebens gehofft, ich könnte noch einmal eine Vertretung übernehmen und so die Zeit meiner Privatdozentur beenden. Aber was schon für Rentner zutreffend ist, nämlich dass sie in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen werden, gilt heute auch schon für ältere Kollegen. Während ein liberales Milieu nach außen stets bemüht ist, jeden Verdacht des Rassismus von sich zu weisen, gehört Altersdiskriminierung in Kommissionen, DFG und anderen Einrichtungen zur Tagesordnung. Wenn Du eine bestimmte Altersgrenze erreicht hast, nützen Dir entgegen verlautbarter Meinung weder Zeugnisse noch Erfahrungen. Natürlich lässt sich à la longue etwas gegen diese Verhältnisse unternehmen, aber Du kannst nicht so lange warten, bis eine alternde Gesellschaft aufhört, ihrem sentimentalen Jugendwahn Adieu zu sagen. Bis dahin bist Du selbst zu einem so blinden Fleck geworden, so dass Du ohnehin nicht mehr bemerkt wirst.

Menschen in einer solchen Situation können sich aber nur dann wieder sichtbar machen, wenn sie sich zu Wort zu melden und im Rahmen enger Grenzen am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen. Wie selten zuvor finden wir uns heute in einer Welt wieder, die uns immer unverständlicher geworden ist. Als Geisteswissenschaftler haben wir aber die Aufgabe, unseren kulturellen Kosmos in Geschichte und Gegenwart zu verstehen und verständlich zu machen. Normalerweise tun wir dies, indem wir uns zu wissenschaftlichen Themen äußern. Auf diesem Blog werde ich zwar selbstverständlich keine wissenschaftlichen Beiträge publizieren, wohl aber auf entsprechende Projekte zu sprechen kommen, denen ich mich in Zukunft noch zuwenden werde. In diesem vorwissenschaftlichen Raum werden Fragen vorformuliert, die im wissenschaftlichen Diskurs noch weiter zu vertiefen sind.

Fortsetzung folgt

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , ,

2018-04 Romanisten ‚intra et extra muros‘

Wer in seinem Leben ein gewisses Alter erreicht hat, dürfte eine ungemein große Menge von Zeitgenossen kennengelernt haben. Anlässlich meiner Dissertation musste ich seinerzeit zahlreiche portugiesische Theaterstücke lesen, von denen mir besonders eines in guter Erinnerung geblieben ist. In diesem existenzialistischen Mehrakter mit dem bezeichnenden Titel Condenados à vida (1963; zu Deutsch vielleicht Zum Leben verurteilt) von Luís Francisco Rebello geht es um die Frage, wie Menschen ins Leben finden, welchen Weg sie einschlagen, wohin sie gehen wollen und wo sie schließlich ankommen. Das Bild, das im Stück gewählt wird, ist ein großer Bahnhof mit ein- und ausfahrenden Züge. Menschen, so glaube ich mich zu erinnern, blicken einander an, wechseln beim Umsteigen ein paar Worte miteinander, um dann ihre Reise fortzusetzen. Ich fand dieses Bild damals schon ansprechend, da es tatsächlich unsere Lebenswirklichkeit wiedergibt. Wir treffen Menschen, lernen sie vielleicht ein wenig oder auch besser kennen (und vergessen dabei zuweilen auch ihre Namen), um sie alsbald wieder aus den Augen zu verlieren, so als hätten sie niemals für uns existiert, wie auf einer Durchreise, wie wir sie im Übergang von einer Phase unseres Lebens zu einer anderen erleben, oder manchmal auch von einem Drama zum anderen. Alles erscheint oftmals so flüchtig und konturlos, und doch bleiben selbst in diesen flüchtigen Begegnungen noch Erinnerungen an Menschen, die einmal unseren Alltag kreuzten.

So unüberschaubar die Anzahl der Menschen ist, die einmal Teil unserer Gespräche, bisweilen sogar unseres Handelns wurden, so sehr verengt sich doch die Sicht, wenn wir auf unser Studium zurückblicken. Die Kommilitonen, die sich wie ich der Romanistik zuwandten, lassen sich zwar nicht an einer Hand ablesen. Und doch bleibt ihre Gruppe übersichtlich genug, um die wichtigsten unter ihnen noch mit Namen zu kennen. Als ich meine Dissertation abschloss, nahm ich zwar nicht an, dass ich ein Orchideenfach studiert hatte, aber eben auch nicht ein solches Massensortiment wie Jura, Betriebswirtschaft oder Ingenieurwesen. Immerhin werden auch an den Romanischen Seminaren und Instituten massenhaft Lehrer für den Französisch-, Spanisch. Und Italienischunterricht ausgebildet, die dazu bestimmt sind, auf die inzwischen unterbesetzten Stellen an den Schulen nachzurücken.

In einem größeren Kreis der Atlantikbrücke, zu der ich vor zwölf Jahren einmal eingeladen worden war, musste ich allerdings erkennen, dass ich mit meiner Annahme im Irrtum war. Zahlreiche prominente, aber auch weniger bekannte Leute gaben damals zu erkennen, dass sie französische Literatur- oder spanische Sprachwissenschaft studiert hatten. In ihrer Mehrzahl schienen sie ihren Beruf oder ihre Berufung in anderen Bereichen gefunden zu haben. Sie machten mir dennoch seinerzeit ausnahmslos Mut, meinen Traum von einer Lehr- und Forschungstätigkeit in diesem schönen Fach nicht aufzugeben und vor allem optimistisch in die Zukunft zu blicken. Natürlich bin ich ihren Rat, so gut ich konnte, gefolgt. Es erübrigt sich, heute über diese Naivität zu lächeln oder darauf gar mit Zynismus zu reagieren.

Da ich heute kaum noch Gelegenheit habe, mich mit Kollegen über die wohl nicht ganz unproblematische Situation unserer Disziplin auszutauschen, dachte ich, nun ganz und gar extra muros zu sein. Was hatte der Deutsch- und Integrationsunterricht für Migranten und Flüchtlinge schon mit Absolventen oder Studienabbrecher der Romanistik zu tun? Doch auch jetzt muss ich umso mehr erkennen, dass unzählige Kollegen auch aus unserem Fach kommen. Angesichts des Umstands, dass sich so viele helle Köpfe unter ihnen befinden, kann ich mich heute fast über den überstürzten Ausgang meiner Universitätslaufbahn hinwegtrösten. Allerdings nur fast, denn auf habilitierte Kollegen bin ich bis jetzt jedenfalls nicht gestoßen. Nichtsdestotrotz überrascht mich die große Zahl an guten Leuten, die unserem Fach den Rücken zugewandt haben und sich nolens volens umorientieren mussten. Es ist zumindest schön, sich nicht als Einzelgänger außerhalb der schützenden Mauern der Hochschule fühlen zu müssen.

Was aber geschieht mit jenen glücklichen oder vielleicht auch unglücklichen Kollegen, die die Chance haben, ihren Beruf intra muros ausüben zu können. Von nicht wenigen weiß ich, dass sie mit Erleichterung in den Ruhestand gegangen sind, weil sie die katastrophalen Auswirkungen des Bolognaprozesses für dieses interdisziplinär-komparatistischen Faches nicht mehr ertragen konnten, weil sie um die Freiheit ihrer Lehre fürchteten und nicht zuletzt, weil sie daran verzweifelten, dass ihre Professuren nach ihrer Emeritierung abgewickelt werden sollen. Noch immer soll es Menschen geben, die sich auch ein Leben nach ihrem eigenen Ableben vorstellen wollen und viel dafür tun, dass nach ihnen eben nicht die Sintflut kommt. Andere wiederum haben genug von einer an sich hochqualifizierten Lehre, die den vielfach unvorbereiteten Studenten nicht mehr entsprechen mag. Und daran haben diese nur einen recht maßvollen Anteil. Was sollen sie denn tun, wenn hinter ihnen kulturelle Traditionen zusammenbrechen, auf die sie selbst längst nicht mehr bauen können? Andere Kollegen mögen vielleicht erkennen, dass sie nicht unbedingt den richtigen Beruf gewählt haben, oder besser gesagt, dass man sie nicht auf die richtige Stelle gesetzt hat. So vertraute mir ein Kollege unlängst an, dass er wohl als Bibliothekar am richtigeren Platz gewesen wäre als auf einem Lerstuhl.

Doch was soll man tun, und damit kehren wir zu jenem Bild zurück, mit dem wir diesen Blog eingeführt haben. Man begegnet sich auf einem imaginären Bahnhof des Lebens. Üblicherweise nimmt man den Zug, von dem man glaubt, dass er am angestrebten Ziel ankommen mag. Nicht alle bekommen aber den Fahrschein, den sie sich so gewünscht haben. Die einen treffen genau die richtigen Menschen, von denen sie nach vorne geschoben werden, die anderen verfehlen eine solche Begegnung, vielleicht weil ihnen die Lektüre immer wichtiger war als Zufallsbekanntschaften, oder um im Jargon zu bleiben, als Seilschaften, die im stickigen akademischen Milieu, gleichgültig ob unter Herren- oder unter Frauenherrschaft, schon immer so wichtig waren. Wieder andere, aber nur wenige, sind hingegen so stark, eigensinnig und überzeugend, dass sie weitgehend ohne Protektion zum Ziel kamen, wohl weil sie An- und Abfahrtszeiten stets im Kopf hatten. Die Angehörigen dieser Gruppe habe ich immer am meisten bewundert. Traurig ist dabei nur, dass sie meinesgleichen nicht als Verbündeten angesehen haben, um Protektionismus jeder Form den Garaus zu machen.

Als habilitierter Romanist und Integrationslehrer habe ich mich längst von jenen Regionen entfernt, in denen ich meinem Leben ein glücklicheres Ziel zu geben hoffte. Der Zug fährt immer weiter und bringt mich an Ufer, die für mich nicht unbedingt neu, in jedem Fall aber ungewohnt und anstrengend sind. Meine Ziele werde ich nicht mehr erreichen, wohl aber die Gewissheit, dass mein Zug größere Distanzen zurücklegen musste als jene, die ihre Fahrgäste aufgrund eines Rufs direkt zum Ziel brachten, vielleicht auch, dass ich mich nun sehr konkret und praktisch mit den Konsequenzen von Migration auseinandersetzen muss und mich nicht mehr in postmodernen Denkgebäuden vor dieser oft anstrengenden und mitunter auch deprimierenden Wirklichkeit verbergen kann. Ich musste häufig umsteigen, musste bei einer Vertretung immer gewahr bleiben, dass es vielleicht die letzte sein würde, bis es schließlich tatsächlich auch die letzte war. Und doch obwohl ich in eine Richtung fahre, in die ich niemals wollte, treffe ich doch Gesichter, die mir nicht fremd sind und mich an meine ursprünglichen Ziele erinnern. Niemals geht man so ganz…

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , ,

2018-03: Nachdenken über Trump

P1010083.JPGJedermann beschäftigt sich mit Trump und seinen Allüren. Nachdem dieser auch in unseren Chroniken des letzten Jahres eine besondere Rolle gespielt hatte, soll hier somit wiederum von ihm die Rede sein. In den Medien erscheint der amerikanische Präsident geradezu als eine Art Ubu Roi, jener skandalösen Titelfigur aus dem gleichnamigen Stück von Alfred Jarry, die sich mit Gewalt und Lächerlichkeiten zum König von Polen erklärt. Die eigentliche Politik dieser Karikatur eines Monarchen (in der Moderne erscheinen alle Monarchen irgendwie lächerlich, weil nicht sie es sind, die ihre Krone tragen, sondern vielmehr selbst von dieser getragen werden) weicht gegenüber seinen zumeist beklagenswerten Charakterzügen zurück. Narzissmus, Überheblichkeit, Großspurigkeit und verletzte Eitelkeit, um nur einige wenige dieser missratenen Merkmale einer verschlissenen Persönlichkeit zu erwähnen, nehmen einen so dominanten Platz ein, dass man leicht darüber vergessen könnte, um wen es sich dabei handelt.

Es geht schließlich nicht um Familiengeschichten von Onkel Heinz und Tante Agathe, sondern um die res publica, d. h. um eben das, was unsere gemeinsame Sache sein müsste, die Politik. Diese bloße Verkehrung der Politik in ein Boulevard kommt der Tendenz entgegen, die sich in der gesellschaftlichen Debatte, in den sozialen Medien breit macht. Statt sich auf die Suche nach politischen Lösungen zu begeben, begnügt man sich mit kluger Moral, eingedenk der Tatsache, dass die öffentlichen Dinge immer undurchschaubarer werden. Zum Spielball gegenläufiger Interessen geworden, zum Fachgebiet von Spezialisten und Technokraten, erscheint die Politik nicht mehr als Ort des Diskurses über notwendige Veränderungen in Staat und Gesellschaft. Was sich an geeignetem Ort nicht mehr in genügendem Maße realisieren kann, muss auf die Moral ausweichen, auf die bessere natürlich. Denn an dieser können natürlich auch die Unbedarftesten ihren Anteil haben; jeder kann seine politisch korrekte Meinung abgeben. Nicht selten geht man häufig von strengen Prinzipien aus, die man vor den Widrigkeiten des Lebens bewahren will, wohl wissend, dass das Leben die eigenen ehernen Gesetze relativiert.

Der amerikanische Präsident spielt in diesem Zusammenhang gerade deshalb eine probate Rolle, weil er mit seinen Skandalen, einfältigen Reden, konfusen Unterstellungen und Bezichtigungen an einer chronique scandaleuse schreibt, die beständig alle möglichen Tabus des öffentlichen Diskurses bricht. Was dabei aber außer Sichtweite gerät, ist wiederum die Politik selbst. Die Gründe, die zum Aufstieg Trumps führten, erlangen dabei eher ebenso wenig Aufmerksamkeit wie die Motive, die hinter seiner Politik stecken. Um es nochmals deutlich zu sagen. Herr Trump verdient alles andere als unsere Sympathie. Aber ebenso abwegig erscheint es, so einseitig der etablierten Politik zu folgen, die sich mit einer vermeintlich besseren Moral dem amerikanischen Ubu Roi entgegenstellt. Eine wirkliche Alternative wäre es freilich, in dessen Politik einen rationalen Kern zu suchen, der die Grenzen der bisher eher wenig zufrieden stellenden Antworten sprengt.

Nehmen wir Trumps Klagen über die Nachteile, die der amerikanischen Wirtschaft beim Export ihrer Waren nach Übersee erwachsen. Es ist allgemein bekannt, dass der europäische Zoll höhere Schranken aufstellt, als dies bei den Amerikanern der Fall ist. Natürlich könnten die reichen westlichen Länder einen Kompromiss schließen, um diese Schranken auf beiden Seiten zu senken und Handelskriege zu vermeiden. Doch gerade in dieser Hinsicht spielt der amerikanische Präsident, wohl eher unwillentlich, wenn nicht sogar unwissentlich, einen advocatus diaboli. Denn ist es nicht so, dass gerade die armen afrikanischen Länder über die ungerechten Verträge stöhnen, die ihnen von der Europäischen Union mit Druck und Zynismus aufgezwungen wurden? So gilt die Entrüstung der öffentlichen Moral dabei einzig und allein dem Flüchtlings- und Migrantenelend, das, soweit es Afrika betrifft, doch gerade Ergebnis einer zutiefst ungerechten Weltwirtschaftsordnung ist.

Der öffentliche Diskurs bleibt weitgehend bei deren Symptomen stehen, in denen sich menschliches Leid reproduziert. Er müsste aber viel stärker auf den Umstand eingehen, das Afrika einerseits unter dem freien Handel der Europäer leidet, andererseits aber eben auch Opfer einer europäischen Politik ist, die einen freien afrikanischen Handel nach Europa unterbindet. Man könnte aus der Politik Trumps insoweit Vorteile ziehen, als man die sich daraus entwickelnde Unordnung dazu nutzt, um so neue gerechtere Regeln zu entwickeln, die die alleinige Handschrift immer gleicher Mächte nicht mehr akzeptiert. Denn ist es nicht so, dass die Europäische Union an ihrer eigenen Heuchelei krankt, wenn sie sich einerseits für den freien Welthandel stark macht und dabei weinselig die Ode an die Freude intoniert (‘Wir werden doch alle Brüder’), andererseits aber ihre Zollschranken zum Schutz ihrer eigenen Märkte hochsetzt? Die Positionen der EU sind beileibe nicht so philanthropisch, wie sie es vorgeben zu sein. An diesem Widerspruch ließe sich doch ansetzen.

Aber ebendies würde einen Diskurs erfordern, der zunächst zur Analyse neigt und erst dann eine entsprechende Moral generiert. Denn Moral kann Politik nicht ersetzen, sondern eben nur bedingen, eine Banalität, die unter heutigen Bedingungen fast wie eine Weisheit anmutet. Das Beharren auf einer unumstößlichen Moral ist nicht selten mangelnden Kenntnissen in der Sache geschuldet. Es ist daher häufig Ausgangspunkt für einfache Antworten, das in dieser Hinsicht moralische Tabubrecher und Populisten zu nicht zu weniger simplen Positionen herausfordert.

Wie viele andere Zeitgenossen tue ich mich schwer damit, den bislang herrschenden Eliten in Wirtschaft und Politik gegenüber Trump einfach Absolution zu erteilen. Denn immerhin sind sie es doch, die auch auf anderen Politikfeldern dazu beigetragen haben, dass sich Populisten in Europa und den USA breit machen konnten. Aus meiner Sicht ist der politische Kanon nicht eben dazu geeignet, das Gewicht dieser Herrschaften zu verringern. Es bedarf vielmehr einer dritten Kraft, die sich aus allen Teilen des demokratischen Spektrums sammeln und über die alten ideologischen Gräben hinausgehen müsste.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , ,